Festival

Festival: Lollapalooza Berlin 2017 im Hoppegarten

„Schatz, wir müssen zum Lollapalooza – die Foo Fighters sind Headliner!“. Ganze sieben Monate ist es nun her, als ich meinem geliebten Bratwurstmadl eine ganz klare Ansage gemacht habe. Keine halbe Stunde später waren die Tickets gekauft. Es war schon immer mein Traum Dave Grohl und Anhang live zu sehen. Die Monate vergingen und das Wochenende rückte näher. Mittlerweile liegt das letzte Festival der Saison hinter uns. Knapp zwei Wochen ist es nun her, als wir uns mit der S-Bahn aufmachten Richtung Hoppegarten. Zum ersten Mal ohne Zelt, dafür in zauberhafter Begleitung von Judith und Nicole. Bereits die Anreise gestaltete sich – sagen wir es mal – kuschlig! Man musste jedenfalls keine Angst davor haben, während des Bremsvorgangs seine Berliner Luft zu trinken. Umfallen war unmöglich! Man lief eher Gefahr erdrückt zu werden. Aber alles kein Problem, wir sind geübt mit großen Menschenmassen und dicker Luft. Darauf ein Bier! Vielleicht hätten wir das Bier auch weglassen sollen, dann hätte unser erster Gang womöglich zu einer der Main Stages geführt. Stattdessen begaben wir uns direkt auf die Suche nach Toiletten – vergleichbar mit dem Jakobsweg. Glücklicherweise befand sich auf dem Pfad das ein oder andere Weingut, sonst wären die Reisenden bei der Suche wohl verdurstet! Wie auch immer … knapp eine Stunde später standen wir auf einem überdimensional großen Festivalgelände mit insgesamt vier Stages, 20.000 Fressbuden und 10 Dixieklos. Nach über 10 Jahren Festivalerfahrung war ich zum ersten Mal reizüberflutet und war sicher, dass ich hier niemals zufällig jemandem über den Weg stolpern würde!

VIER STAGES – 20.000 FRESSBUDEN – 10 DIXIEKLOS

Wir machten uns auf zu den Beatstakes und wurden von einem miserablen Sound empfangen. Vielleicht ist Vorne besser? Ja – war es! Tag 1 konnte also endlich starten und vielleicht doch noch gut werden. Spätestens bei Marteria waren wir wieder voll im Festivalfieber. Marten schafft es einfach immer Stimmung zu machen! Und das nicht nicht nur, weil er ein unfassbar schöner Mann ist! Er weiß einfach wie man Musik macht und die Meute zum springen animiert. Ein Zeitpunkt zu dem eigentlich schon alles perfekt war! Aber sind wir ehrlich … so richtig perfekt kann doch nur Casper! „Wie geil wär das denn, wenn der jetzt kommen würde?!“. Nicht einmal zwei Minuten hat es gedauert bis Tatjana’s Wunsch Realität wurde! WTF!!! Zwei der heisstesten Typen auf diesem Planeten teilten sich eine Bühne – und wir durften dabei sein! Gänsehautfeeling pur! Nach Miss Platnum und Marsi freute ich mich vor allem auf das Finale. Wir waren vorbereitet und hatten unser Shirt für die letzten 20 Sekunden bereits am Start. Wer jemals auf einem Marteria Konzert war weiß, dass man sich all seine Kraft bis zum Schluss aufheben muss. Nach den zweiten letzten 20 Sekunden sprang Marten oberkörperfrei in die Menge. Die Ruhe vor dem Sturm. Wir standen kurz vor der totalen Eskalation! Und dann … dann wurde Marteria vom Veranstalter der Saft abgedreht! Abgesehen vom Verlust der zehn letzten 20 Sekunden hatte Marteria nicht einmal mehr die Möglichkeit sich zu verabschieden. Mussten wir unser Shirt halt wieder mit Nachhause nehmen. Schwach! Ganz schwach! Aber egal … heeeeey … Festival! Wuhuuuu! Handbrot und Bier! Wir verfolgten Mumford & Sons aus der Ferne, nahmen einen verloren gegangenen Engländer in die Festivalfamilie auf und pilgerten zur Perry’s Stage. Boys Noize in da House! Bereits beim Southside haben wir dankend auf den letzten Auftritt von Linkin Park verzichtet und freudiges Hüpfen zu EDM vorgezogen. Auch dieses Mal sollte es ein gelungener Abschluss werden! Wir wurden nicht enttäuscht. Boys Noize hat die letzten Glückshormone aus uns rausgeholt und Glitzerfunken sprühen lassen. So muss sich Festival anfühlen! UND NUR SO!

DIE ABREISE BEIM LOLLAPALOOZA ODER AUCH THE WALKING DEAD

Wir verließen das Festival über den Ausgang der Perry’s Stage und folgten der Masse. Kurz darauf durfte ich mich über das wieder gewonnene Handynetz und das damit verbundene Wiedersehen mit Andre und Jan freuen. Zu diesem Zeitpunkt war mir bereits bewusst, dass wir Hoppegarten unter 3 Stunden nicht verlassen würden. Ganz im Gegenteil zu den restlichen Jungs und Mädels. Sie waren guter Dinge und der Meinung, dass wir bereits in Kürze mit einem Bier in der Hafenbar anstoßen würden. Eventuell hatten sie vergessen, dass sich zeitgleich auch ein kleiner Teil der 85.000 Festivalbesucher zur einzigen S-Bahn-Linie aufmachte. Am Ende auch egal, wir waren nämlich gar nicht auf dem Weg zur S-Bahn … wie ich 40 Minuten später feststellte. Straight und flink wie ein Wiesel bewegten wir uns Richtung PKW-Parkplatz. Wäre eine nette Angelegenheit gewesen, hätte jemand von uns seinen PKW dabei gehabt. Es folgte Andre’s Verzweiflungstat am Festival-Rastplatz … besser bekannt als letzter Stand für Wegbier. „Ich nehm 5 Bier und den letzten Karton Kurze den Ihr da habt!“. Da fragt nochmal einer wieso ich den Mann so schnell in’s Herz geschlossen hab! Zu unserer großen Überraschung fanden wir kurz darauf einen Shuttlebusfahrer, der bereit dazu war seine Tore zu öffnen und uns zurück zur S-Bahn Station zu chauffieren. Hier wurden wir von einer Live-Aufführung von The Walking Dead empfangen. Tausende Besucher taumelten ziellos die Straße entlang. Wir machten es uns mit Bier und Pflümli im Grünstreifen bequem und beobachteten das rege Treiben. Grund für die Völkerwanderung? Die Sperrung der S-Bahn Station Hoppegarten. Kann man mal machen! Es folgte ein Fussmarsch zur nächstgelegenen Station, der Rückmarsch wegen eines vermeindlichen Taxiglücksgriffes, der versehentlich andere Besucher heimwärts kutschierte und eine weitere Stunde im Grünstreifen. Da ich nichts anderes erwartet hatte legte ich mich im Laub ab und wurde eine Stunde später aus dem Schlaf gerissen und in ein Taxi gezerrt.

FOO FIGHTERS LIVE – EIN TRAUM WIRD WAHR

Der nächste Morgen begann mit einem ausgiebigen Brunch und stundenlangen Diskussionen über An- und Abreisesituation von Tag 2. Man mag es kaum glauben, aber ich hatte mich tatsächlich dazu bereit erklärt an’s Steuer zu sitzen. Hier machte mir das Lollapalooza allerdings einen Strich durch die Rechnung. Parktickets konnten nur vorab gebucht werden und waren an Tag 2 bereits ausverkauft. Fünf Nervenzusammenbrüche und 32 Telefonate später war der Fahrer gefunden. Darauf eine Berliner Luft! Auch Treffpunkte mit meinen liebsten Berliner Mädels wurden vorab in den Zeitplan aufgenommen. Man hätte meinen können das wäre nicht zu toppen, aber dann kam sie! Die beste Nachricht des Tages: eine Email vom Lollapalooza mit Lageplänen der Dixieklos. Get the party started. Fünf Gläser Wein mit Nora, ein Speeddating mit Susi und Steffi, ein Wiedersehen mit der Rock im Park Pall Mall Crew und Annen May Kantereit zum musikalischen Auftakt. Danach Cro im Schnelldurchlauf, ein Wegbier und ein Slow-Motion-Ausflug in den Lamettawald. Schnell noch an der rostigen Bar Tatjana und die Jungs aufgegabelt und auf zur Main Stage. Mein erstes Mal Foo Fighters live! Ein paar Songs habe ich gebraucht um zu begreifen, dass mein lang ersehnter Wunsch endlich wahr wird! Spätestens bei „Best of you“ und „Wheels“ war ich voll in meinem Element und hätte heulen können vor Glück! Ein großartiger Auftritt, der mit dem Konzert von Coldplay zu meinen absoluten Highlights in 2017 zählt und ein Moment, den ich mit einem ganz besonderen Herzmenschen erleben durfte – meinem Bratwurstmadl! Auch die Abreise gestaltete sich an Tag 2 etwas angenehmer und so wurde aus dem Lollapalozza doch noch ein gelungener Abschluss!

Picturedredits: Lavie Deboite & Stephan Mueller Photography

UNTERM STRICH – WIE WAR DAS LOLLAPALOOZA 2017?

Da ich bereits auf vielen, großen Festivals zu Besuch war muss ich sagen, dass ich an vielen Stellen von der Organisation enttäuscht war. Zwar fand das Lollapalooza zum ersten Mal im Hoppegarten statt, der Veranstalter hatte in den Vorjahren im Treptower Park und Tempelhof aber bereits Erfahrungen gesammelt. Wenn das Gelände so weitläufig ist, müssen Toiletten ganz klar gekennzeichnet sein! Was die Abreise angeht: man kann sich nicht einfach darauf berufen, dass Zusatzverkehr in den 10-Minuten-Takt der S-Bahn nicht mehr reingepasst hätte. Bei einem Preis von 130 Euro ohne Campingmöglichkeit erwarte ich hier Alternativen – vor allem wenn sich das Festival in Brandenburg und somit weitab vom Stadtkern Berlins befindet. Eine Wettersituation wie beim Southside 2016 hätte ich hier nicht miterleben wollen! Für mich persönlich waren auch Gelände und Angebot zu groß. Der Aufbau selbst großartig gemacht, keine Frage! Viel Liebe zum Detail, aber für zwei Tage schlichtweg too much. Hier blieb zu wenig Zeit um sich in Ruhe umzuschauen. Ich bin sicher, dass der Veranstalter sehr viel Mühe in das Festival gesteckt hat, aber manchmal ist weniger vielleicht doch mehr. Ich selbst gehöre zu den Menschen, die sich im Nachhinein ärgern, wenn sie auf Instagram und Co noch coole Locations entdecken, die vor Ort auf die Schnelle aber weder auffindbar noch zeitlich machbar gewesen wären. Vielleicht wird es 2018 im Olympiapark ja besser. Ich würde dem Lollapalooza gerne eine zweite Chance geben, denn alles in allem war es ein sehr schönes Festival das eben einfach nur ein paar Macken hatte. Aber die hat ja bekanntlich jeder und die kann man in den Griff bekommen – wenn man will!

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2 Comments

  • Reply Nummer Neun 22. September 2017 at 08:17

    Da haben wir uns dann doch verpasst 🙁

    Die Orga drumherum war eine Katastrophe. Wir wollten dann auch kurzfristig für den zweiten Tag ein Parkticket, was natürlich nicht mehr ging. Zum Glück waren wir an beiden Tagen schon recht früh auf dem Gelände, dadurch war die Anfahrt etwas entspannter als bei dir – auch wenn die Station selbst da schon so ähnlich aussah, wie auf deinen Bildern. War man erst einmal auf dem Gelände, war aber alles gut.

  • Reply Bibi 26. September 2017 at 08:40

    Ich war auch da und hatte den Vorteil die Parktickets vorab gekauft zu haben. Allerdings wurde mir bereits am Samstag gesagt das es eine Änderung gab und man daher kein Parkticket mehr bräuchte. Ich denke ihr hätte also ohne Probleme mit Auto anreisen können.
    Obwohl ich auch beim Parkplatz Schwächen festgestellt habe: Keine Kennzeichnung der Parkfläche, schlechte bis keine Beleuchtung auf dem Parkplatz und dem Weg zum/vom Gelände sowie ein Fußmarsch von locker 45min. Und nachts im dunklen sein Auto suchen bei den Massen die da standen war auch ein Abenteuer.

    Das Gute: Ich konnte an dem Wochenende meine Punkte auf meinem Karma-Konto aufstocken 😀 Wir haben insgesamt 6 Leute zur S-Bahn gefahren (natürlich nicht die in Hoppegarten), zum Festival mitgenommen bzw zum Auto gefahren. Und alle waren sehr herzlich und wirklich dankbar. Aber ich denke das sollte man schon machen bei einem Festival, da ist man doch eh iwie eine große Gemeinschaft 😉

    Übrigens war ich beim Lolla auf dem Tempelhofer Feld auch dabei und schon da gab es einige Probleme. ABER die Veranstalter sind wirklich gut darin, die Fehler vom Samstag bis zum Sonntag zu korrigieren. Wir werden sehen was das nächste Jahr bringt 🙂

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