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Travel Diary Sardinien Part 3: Alghero, Bosa, Golfo Aranci

Buongiornio Alghero! Der letzte Tag im wilden Westen Sardiniens begann mit einer vollen To Do Liste und einem schmerzlichen Abschied vom Laguna Blu Resort. Aber first things first – bevor wir wieder den Cadillac bepackten und weiter düsten gönnten wir uns einen letzten Cappuccino und ein schnelles Croissant. Dann hieß es Arrividerci Laguna Blu, Ciao Ciao! Wir cruisten erneut nach Alghero, der katalanischen Stadt mit ihren wunderschönen Gassen und dem lebendigen Treiben. Angefixt vom Vorabend wollten wir die Korallenstadt auch mal bei Tageslicht besuchen. Vor dem Erklimmen der Stadtmauer mussten wir uns jedoch zuerst unbekannt verantwortungsvoll um einen Sonnenschutz kümmern. Also auf in den Supermarkt, dortiges Sortiment gecheckt und …. wieder mal ungeschützt rausgewatschelt. Dafür aber mit Milchschnitte und frittierten Kroketten bepackt. Tschüss verantwortungsbewusstes Sonnenbad und Hallo Sonnenbrand! Abschließend bummelten wir durch die Gassen und genossen die Aussicht auf die Küste.

AUF DER PANORAMASTRASSE NACH BOSA

Doch die Westküste Sardiniens hat noch mehr zu bieten, also setzten wir uns wieder ins Auto und kurvten die Panoramastrasse entlang. Die wohl schönste und eindrucksvollste Achterbahnfahrt meines Lebens. Selbst Tatjana vergaß bei dem zauberhaften Anblick ihre Reiseübelkeit und kotzte zur Abwechslung mal nicht. Sehr erfrischend. Auch ihr Atem. Die Serpentinen schlängelten sich an der Küste entlang. 47 km Fahrt mit traumhaften Kulissen, Stränden und einem atemberaubenden Panorama. Für mich die schönste Route unserer Reise, untermalt vom Rauschen des Radios. Alle 5 Sekunden ein neuer Sender aber Kraftklub konnte nun echt keiner mehr hören. Wir brausten weiter in den Westen zu unserem nächsten Stop. Bosa ist nur eine kleine Gemeinde mit wenigen Einwohnern, die aber offensichtlich alle in sehr schönen, sehr bunten und sehr kleinen Häusern leben. Ein durchaus empfehlenswerter Abstecher. Die Aussicht vom Mündungstal des Temos auf die pittoresken Häuserfassaden ist nicht nur ein großartiges Fotomotiv, sondern auch ein sportlicher und lohnenswerter Bummel durch die süßen Gassen. Hoch motiviert scheuchte mich das Bratwurstmadl die Stufen zur Burg hinauf. Das Überwinden unserer nicht vorhandenen Fitness wurde zwar mit einem wundervollen Ausblick belohnt, ließ uns gleichzeitig aber auch direkt nach einem Beatmungszelt japsen. Daher überließen wir die Fortbewegung wieder unserem soliden Weggefährten Cadillac und setzten zur nächsten Strecke an. Einmal quer über die Insel, vom Westen in den Osten. Knapp 200 km Straße lagen vor uns. Eine Strecke, die einem in Deutschland ewig weit vorkommen und meistens mit Stress, (Urin-)Stau und Anstrengung einhergehen würde. Nicht aber so auf Sardinien. Mitte Oktober lassen sich die Kilometer einfach so runterrocken. Auf unserer Strecke von Bosa nach Olbia waren wir gefühlt die einzigen auf der Straße. Da wären wir in Berlin – trotz U1 – wesentlich länger unterwegs gewesen um von West nach Ost zu kommen. Wir brausten also tiefenentspannt über die Insel, während mich Tatjana mit Käse und Chips fütterte. Knapp zwei Stunden später erreichten wir unser Ziel: Golfo Aranci.

BAIA DE BAHAS – FERIENWOHNUNGEN AM GOLFO ARANCI

Die letzten Tage unserers Urlaubs residierten wir in einer exklusiven und großen Ferienwohnung direkt am Golfo di Marinella. Das Baia de Bahas Apartement Resort ist ein Feriendorf mit schönen, mediterranen Häusergruppen inmitten einer gepflegten Grünanlage. Alle Wohnungen verfügen über eine Veranda oder Terrasse und sind für Selbstversorger bestens ausgestattet. Geschirr, Kühlschrank mit Tiefkühlfach, Kochzeile, Bialetti und TV – wobei wir letzteres bei dieser Aussicht nicht einmal in Gebrauch nahmen. Unser Zimmer hatte eine große, traumhafte Terrasse mit Meerblick, zwei Schlafzimmer (wovon wir eins sofort als Ankleidezimmer umfunktionierten), eine Wohnküche und ein Badezimmer mit Dusche. Wer uns schon mal live gesehen hat, so im Real Live und gänzlichst ohne Photoshop, der wird unsere Priorisierung verstehen. Die erste Amtshandlung galt dem Befüllen des Kühlschranks. Da der lokale Supermarkt des Feriendorfs bereits geschlossen hatte machten wir uns gen Olbia auf zum Supermercado. Dem Fressparadies auf Erden. Ich liebe es ausländische Supermärkte, neue Produkte und lokale Leckerein zu entdecken. Hier hat der Supermercado meine Anforderung von einem Lebensmittelgeschäft gänzlichst versaut. Völlig reizüberflutet gingen Tatjana und ich D-R-E-I Stunden im kommerziellen Tempel auf Entdeckungstour. Wir bewunderten das Süßigkeitensortiment, wurden Fachfrauen für Hartkäse und beim Anblick der hiesigen Weinauswahl machte unsere Leber Freudensprünge. Ein Paradies für Feinschmecker und Gour-Meggles. Vollgepackt ging es zurück nach Hause. Hier schnabulierten wir noch ein paar Häppchen und genossen in aller Ruhe die Aussicht. Nach einer traumhaft erholsamen Nacht im gemütlichen Bett des Baia de Bahas genoss ich den ersten Kaffee mit Blick auf das Meer. Sogar die Bratwurst zeigte sich ungewohnt ausgeschlafen und so zauberten wir uns ein dekadentes Frühstück auf 5 Sterne Niveau. Aufgwertet durch das unangefochtene Schnäppchen des Urlaubs – airBerlin Champagner. Nach all dem Luxus würden wir wohl nie wieder in unser reguläres Leben zurückfinden.

EINSAME, SCHÖNE STRÄNDE IM NORD-OSTEN SARDINIENS

Um nicht völligst zu verfetten und abzuheben stellten wir unser Champagner-Glas bald wieder zur Seite und starteten unsere Tages-Mission: Strände erkunden. Erster Halt: Der hauseigene Strand – ein Traum mit seichtem Wasser und kleinen Felsen, ganz ohne Feriengäste. Doch einer ist keiner und so zogen wir, inspiriert von Pinterest und Tripadvisor weiter. Nach 15 Minuten Autofahrt kamen wir an der Cala Moresca, einer einsamen Bucht an der Spitze des Naturreservats, an. Das Wasser glitzerte uns Smaragdgrün entgegen und bot einen großartigen Kontrast zum weißen Sandstrand. Doch bevor wir uns mit einem Köpfer in die Fluten stürzten konnten sprangen uns rote Absperrbänder und Warnschilder entgegen. Obwohl ich mir als multilinguales Naturtalent (Bilingual aufgewachsen: Deutsch und Badisch) große Mühe gab, war uns nicht ganz verständlich, warum man die Bucht nicht betreten durfte. Unsere Ferienwohnung wollten wir allerdings nur ungern gegen eine sardische Gefängniszelle eintauschen, daher entschieden wir uns zur Cala Sabina weiterzuziehen. Ebenfalls online gespottet, für schön befunden und nur 5 Minuten entfernt. Auch diese Bucht begeisterte wieder durch einen langen, mit Felsen durchzogenen, weissen Sandstrand. In der Hochsaison ist sie vor allem bei jungen Leuten sehr beliebt, da die ansässige Beach Bar mit Loungecharakter etwas Spring Break Feeling versprüht. Dass sie während unserer Reisezeit bereits geschlossen hatte, kam uns allerdings nicht ganz ungelegen. So hatten wir den Strand wieder einmal für uns und mussten – Gott bewahre – auch keinen Smalltalk führen. Urlaub ist eben zum Entspannen da. Von wegen! Beim Stöbern auf Instagram stoplerte ich nämlich über Delfinsnaps. Delfine! Ich mein – seriously? Flipper live? Nach kurzer Recherche scheuchte ich Tatjana auf und navigierte uns im Cadillac Richtung Naturreservat. Von hier aus hat man freie Sicht auf eine, zwischen der verlassenen Insel Figarolo und der Küste vom Golfo Aranci liegende, Fischfarm. Die Fischzucht ist in diesem Fall nicht nur Zugewinn für Restaurants und Meeresfrüchte-Fans, sondern auch für Meeressäuger. Sie tummeln sich in größeren Gruppen um die gespannten Netze und klauen den Fischern die Ware vor der Nase weg. Bewaffnet mit Kamera und Geduld machten wir es uns auf einem gegenüberliegenden Mäuerchen an der Küste gemütlich und warteten. Und warteten. Und warteten. Doch die See war rau und wir nach all den Tagen nicht mehr sonderlich konzentrationsfähig. Die Entfernung war leider zu groß um etwas anderes als Fata Morganas auszumachen. Und auch wenn es an diesem Tag nicht klappen wollte stand mein Vorhaben fest: Ich wollte diesen Urlaub noch Delfine sehen.

CALA MORESCA – DER ZWEITE VERSUCH

Unseren letzten, kompletten Tag startete ich daher extrem hibbelig und Tatjana bekam zum Frühstück, statt Kaffee, eine geballte Ladung Überredungskünste serviert. Zwei Stunden später parkten wir den Cadillac am Hafen von Aranci und machten uns auf die Suche nach einem geeigneten Skipper für den geplanten Bootsausflug. In der Nebensaison vergleichbar mit dem Media Markt Mitarbeiter – therotisch vor Ort, praktisch aber extrem schwer aufzufinden. Ausdauer und Google Maps sind gefragt, dann  findet man doch noch den ein oder anderen Anbieter diverser Bootstouren zum Tauchen, Schnorcheln oder eben auch zum „dolphine watchen“. Das Alpha Diving Center bietet hier über das gesamte Jahr Touren an. Abgelegt wird letztendlich dann aber nur, wenn die Wetterlage es auch zulässt. In unserem Fall also nicht! Petrus schenkte uns zwar Sonnenschein, jedoch zuviel Wind und Wellengang um das Seil einzuholen. Dieses zickige Arschloch. Als Alternative entschieden wir uns nochmals zur Cala Moresca zu wandern. Zwar war die erste Bucht aktuell gesperrt, die knapp dahinter liegende aber frei zugänglich. Wir schlugen unser Lager auf, hielten die Bäuche in die Sonne und genossen nochmal das Dolce Far Niente in vollen Zügen. Für 10 Minuten. Dann hatte ich wieder Hummeln im Hintern. Wenn ich schon keine Delfine sehen konnte wollte ich, bescheiden wie immer, zumindest Fischchen beobachten. Kurzerhand wurde mit den Schweizer Strandnachbarn ein Deal ausgehandelt. Ich bekam die Taucherbrille vom Sohn und er mein Versprechen, dass  mein Kopf nur minimal größer sei als seiner! Hoch motiviert und stilsicher entdeckte ich die Unterwasserwelt inmitten hunderter Sardinen. Leider war meine Begeisterung wesentlich größer als mein Lungenvolumen, weshalb sich mein hart erarbeitetes Sonnenbrandrot langsam aber sicher in ein Sauerstoffmangelblau färbte. Trotz allem konnte ich nicht aufhören. Noch nie in meinem Leben habe ich so viele Fische beim Tauchen gesehen. Das klare Wasser faszinierte mich bereits den ganzen Urlaub, die Unterwasserwelt war allerdings nochmal ein ganz besonderes Highlight. Zurück im Appartment stellte ich meinen stark unterkühlten Körper unter die heisse Dusche, während Tatjana in der Küche für das leibliche Wohl sorgte. Mit Gnocchi alla Bratwurst leuteten wir den letzten Abend ein. So schwer es uns fiel, langsam mussten wir uns mit dem Gedanken anfreunden, dass der Urlaub zu Ende ging.

GOLFO ARANCI – DELFINE IN FREIER WILDBAHN BEOBACHTEN

Davor war es aber an der Zeit meinen lang ersehnten Wunsch zu erfüllen: Delfine in der freien Wildbahn sehen. An unserem letzten Tag zeigten sich Sardinien und das Wetter nochmal von seiner schönsten Seite. So konnten wir mit dem Alpha Diving Center doch noch die Tour zum Delfine beobachten antreten. Gemeinsam mit einer Schweizer Familie und drei Franzosen brachen wir in Richtung Fischfarm und Felsinsel Figarolo auf und brauchten tatsächlich nicht lange bis wir die ersten Delfine spotteten. Es war ganz unwirklich, die Meeressäuger so nah zu sehen. In kurzen Abständen tauchten sie, meist in Gruppen, zur gleichen Zeit an der Wasseroberfläche auf und wieder ab. Ein wundervolles Erlebnis und der krönende Abschluss meines bisher schönsten Urlaubs! Wir umrundeten noch das verlassene Figarolo und kamen nach über 90 Minuten wieder an Land. Für den Ausflug zahlten wir pro Person 30,00 Euro. In meinen Augen, neben dem Cadillac, die beste Investition. Die letzten Stunden ließen wir nochmal an der schönen Cala Moresca ausklingen. Dank unserem kostenfreien Late Check Out im Appartment war es kein Problem sich ein letztes Mal entspannt in die Fluten zu stürzen und mit dem kurzfristig erworbenen Schnorchel die Unterwasserwelt unsicher zu machen. Gegen 17 Uhr hieß es dann aber wirklich Abschied nehmen. Zum großen Bedauern wurde unser AirBerlin Flug nicht gestrichen und unsere finanziellen Möglichkeiten ließen ein Auswandern leider (noch) nicht zu. So starteten wir zum Flughafen, wo Francesco – Fabrizio bereits auf uns wartete um den Cadillac wieder in Empfang zu nehmen. Nach einem letzten Ichnusa Bier hieß es dann:

ARRIVEDERCI SARDEGNA,VEDIAMO PRESTO

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3 Comments

  • Reply Jasmin 6. November 2017 at 22:36

    Einmal bitte nach Sardienen beamen. Danke. Habe in Dänemark auch Defline gesehen beim segeln, aber naja wirklich gesehen dann auch wieder nicht. Also mein Freund hat die ganze Zeit welche gesehen und mich drauf aufmerksam gemacht, aber sie waren einfach zu weit weg und ich zu blind (brauch ne Brille aber weigere mich noch haha). Also weiß ich jetzt nicht wirklich, ob ich wirklich Defline gesehen habe oder ich nur was verschwommenes gesehn hab 😀 aber ich bin mal optimistisch und behaupte: ich habe auch Defline gesehen. Wenn auch nicht so nah wie du/ihr! 😀

    • Reply Lavie 20. November 2017 at 22:51

      Kanns dir nur ans Herz legen. Aber dann auch eher zur Nebensaison. In der Hauptsaison ist es schon schweineteuer! Und ich weiß was du meinst! Nachdem wir wussten, dass da welche sind haben wir auch ständig gedacht wir würden welche sehen 😀 Dann denkt man aber auch bei wirklich jeder Welle, dass es ein Delfin war! 😀

  • Reply Jasmin 6. November 2017 at 22:38

    Ich korrigiere, weil mein Freund darauf besteht: ich habe Tümmler gesehen. Keine Delfine. Das ist ein Unterschied. (für mich sind Tümmler und Delfine das gleiche lol)

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